Kochbuchrezension: Ungarische Küche

Ich weiß nicht genau warum es über die ungarische Küche kaum brauchbare Bücher gibt, dabei ist die Küche dieses Landes sehr abwechslungsreich und auch sehr interessant. Jedenfalls ist es dem Stocker Verlag jetzt gelungen ein Buch auf den Markt zu bringen, welches im Vergleich, zu bereits erhältlichen Werken, wirklich toll ist! 

Wenn man seine Mitmenschen fragt, welche Gerichte sie mit Ungarn in Verbindung bringen, hört man hier meistens nur Gulasch und Palatschinken und irgendwie kommt auch immer wieder das berühmte Paprikapulver zur Sprache. Aber es gibt noch sehr viel mehr und der berühmte ungarische Koch Tamás Bereznay zeigt uns diese Vielseitigkeit des Landes in seinem Buch.



von Tamás Bereznay
Leopold Stocker Verlag
221 Seiten
ISBN 9 7837020 14179
EUR 19,90

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Bei der Gestaltung des Buches, wurde sehr viel Wert auf Details gelegt, die die Einzigartigkeit Ungarns wiederspiegeln. So zieht sich beispielsweise das dezente Kreuzstichmuster, dass man auch auf dem Cover sieht durch das gesamte Buch. Zwischen den Rezepten findet man immer wieder tolle Fotos von Land und Leuten. Die Titel der Rezepte wurden meistens zweisprachig aufgeführt, und somit kann man sich bei seinem nächsten Ungarnbesuch die ein oder andere Enttäuschung ersparen. Ich habe mich damals jedenfalls recht schwer getan manche Sachen auf den Speisekarten zu entziffern und habe teilweise auf gut Glück bestellt ;-)
Vegetarier werden an den traditionellen Rezepten wohl eher weniger Freude haben, da die meisten Rezepte schon recht fleischlastig sind, aber erstaunlicherweise gibt es hier in diesem Buch sogar ein extra Kapitel dazu :-)




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1. Vorspeisen

Bestellt man sich Ungarn eine Vorspeise, so hat man fast immer eine große Auswahl an Speisen mit Gänseleber, oder Grammeln dabei, denn die Ungarn lieben es deftig und auch teilweise recht fettig. Diese Gerichte sind nicht jedermanns Geschmack, aber glücklicherweise gibt es ja genug Alternativen wie man im ersten Kapitel deutlich sieht.

  • Frischkäseaufstrich (dieses Rezept kommt dem Liptauer schon recht nahe)
  • Entengrammeln mit rotem Zwiebelsalat
  • Spinatsalat mit roten Weintrauben und Ziegenkäse
  • Gänseleberterrine mit roter Zwiebelkonfitüre
  • u.a.



2. Suppen

Neben der weltbekannten Gulaschssuppe gibt es in Ungarn auch noch andere Suppen, die meist aus wenigen Zutaten bestehen. Sehr beliebt sind auch verschiedene Fruchtsuppen, die vor allem im Sommer sehr gerne gegessen werden. Wer hier weitere Details erfahren möchte, der sollte sich unbedingt mal auf Anikó's Blog Paprika meets Kardamom umschauen, denn hier gibt es jede Menge ungarische Klassiker zu entdecken.

  • Pilz-Basilikum-Suppe mi t Nockerln
  • Bohnen-Gersten-Suppe mit Wurst
  • Maiscremesuppe mit Dill
  • Kartoffelcremesuppe mit Ziegenkäse
  • Kalte Heidelbeersuppe
  • u.a.




3. Fisch

Auch Fischgerichte sind bei den Ungarn sehr beliebt. Während meiner Zeit in Budapest sind mir hier vor allem Rezepte mit Forelle und Karpfen aufgefallen, die hier oft mit Pilzen kombiniert werden. War für mich anfangs etwas merkwürdig, aber man gewöhnt sich ja irgendwie an alles ;-)

  • Karpfenfilets mit Pilzen und Bandnudeln
  • Welsfilets im Speckmantel mit Tomatensauerkraut
  • Gebratene Forelle mit Blauschimmelkäse
  • Forellenroulade mit Schinken umwickelt
  • u.a.



4. Geflügel & 5. Fleisch

Diese 2 Kapitel fasse ich jetzt einfach mal zusammen, da es sich hier um den größten Abschnitt des Buches handelt (Überraschung!). Die Ungarn lieben Fleisch und hier kommt fast alles in den Topf. Serviert werden diese Gerichte oft mit Knödeln, diversen Krautvarianten, aber auch mit sauer eingelegtem Gemüse, wofür Ungarn ja auch sehr bekannt ist.




  • Hortobágy- Palatschinken (gefüllt mit Huhn und Gemüse)
  • Fasan im Brotteig
  • Hühnerleber mit Cognac und Thymian
  • Wildschweinragout im Blätterteig
  • Stelzen vom Mangalitzaschwein nach Bäckerinart
  • Lammbraten mit Bohnen und Tomaten
  • Kutteln
  • u.v.m.



6. Hausmannskost

In diesem Abschnitt des Buches findet man sehr viele Klassiker, die auch heute noch sehr beliebt sind. Viele der Rezepte stammen aus den ländlicheren Gegenden Ungarns, denn dort wurde meist ein Essen serviert, dass wenig kostet und trotzdem satt macht.

  • Paprikakartoffeln
  • Letscho mit verschiedenen Würstchen
  • Gefüllte Paprika
  • Hirtennudeln
  • u.a.


7. Vegetarische Gerichte

Wie anfangs bereits erwähnt gibt es jetzt auch einige fleischlose Gerichte, die meiner Meinung nach sehr an die österreichische Küche erinnern. Aber das braucht einen nicht zu wundern, denn auch die Österreicher haben in ihrer Küche teilweise einen ungarischen Schlag. Sehr kreativ finde ich diese vegetarischen Gerichte allerdings nicht, aber ich mag ja eh viel lieber Fleisch *zwinker*

  • Krautfleckerln
  • Eiernockerln
  • Kürbisgemüse
  • Kohl mit Tomatenkraut
  • u.a.

8. Salate und eingelegtes Gemüse

Jetzt wird es wieder typisch ungarisch! Wart Ihr schon einmal in einer ungarischen Markthalle? Dort kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus, vor allem wenn man von Regalwänden umgeben ist, in denen sich Gläser mit den unterschiedlichsten, eingelegten Gemüsesorten befinden. Schon sehr faszinierend! Und hier zeigt sich auch wieder, dass es auch heute noch sehr viele Gegenden in Ungarn gibt, die nicht so viel Geld zur Verfügung haben, also wird vieles selbst angebaut und anschließend eingeweckt.

  • Pusztasalat
  • Roter Paprikasalat
  • Eingelegte Gurken
  • Krautsalat mit Kümmel
  • u.a.


9. Pikantes Gebäck

Backen können die Ungarn meiner Meinung nach richtig gut. Deshalb musste ich die leckeren Pogácsa auch sofort nachbacken. Sicherlich kennt Ihr auch Langos, oder? In Deutschland bekommt man diese in Fett heraus gebackene Spezialität meist auf Jahrmärkten und Festen mit verschiedenen Belägen angeboten. Sehr lecker!!!




10. Süßspeisen

Hach! Und schon sind wir bei den süßen Sachen angelangt, die es mir auch sehr angetan haben. Vor allem die bekannten Strudel sind ein wahrer Genuss! Und dann gibt es noch jede Menge an Torten, bei deren Anblick man schon automatisch 3 Kilos mehr auf die Waage bringt. Aber man sollte diese Leckereien unbedingt einmal probiert haben! Bei den Ungarn wird gerade im "süßen Bereich" auch sehr viel mit Mohn gemacht. Ein kleines Paradies für Naschkatzen!

  • Apfel Creme Schnitten
  • Birnenkuchen mit Mandeln
  • Sauerkirschstrudel
  • Teigschnecken mit verschiedenen Füllungen
  • Brotpudding mit Mohn
  • u.a.


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Ausprobierte Rezepte:


Gulaschsuppe & Pogácsa (Rezepte aus diesem Buch)



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Meine Bewertung:



Das Buch bekommt von mir die volle Punktzahl, da es sich hier um ein Buch handelt, in dem die ungarische Küche und die Vielfalt sehr gut wiedergegeben wird. Es gibt fast nur klassische Rezepte, die aber bis jetzt nur in wenigen Kochbüchern aufgetaucht sind. Auch die Gestaltung und die Fotos gefallen mir sehr gut.

Eine kleine Kritik gibt es aber auch: bei vielen Rezepten fehlt eine Zeitangabe - bei den Pogácsa muss man also quasi selbst entscheiden, wie lange der Teig ruhen muss und auch bei der Zubereitung der Gulaschsuppe wurden teils keine Kochzeiten angegeben. Leute die nicht täglich Kochen, oder sich damit beschäftigen, könnten sich hier sicherlich etwas schwer tun.

Aber dennoch sollte dieses Buch bei keinem Ungarn-Fan im Kochbuchregal fehlen!

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Das ist mein dritter Beitrag zu Jeden Tag ein Buch :-)

Logo by Arianne Bille


Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Stocker Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, was jedoch meine Meinung zum Buch nicht beeinflusst.

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